Begriffe aus dem Trading klar erklärt, strukturiert nach 22 Hauptkategorien, von Marktgrundlagen bis Glossar-Meta. Ohne Vorwissen, ohne Verkaufsprosa.
Arbitrage ist das gleichzeitige Kaufen und Verkaufen desselben Werts auf verschiedenen Märkten, um Preisunterschiede risikoarm abzuschöpfen. Notiert ein Asset auf Börse A bei 60.000 € und auf Börse B bei 60.180 €, beträgt die Brutto-Differenz 180 €. Nach Gebühren, Transferzeit und Slippage bleibt davon oft wenig – Arbitrage ist heute weitgehend ein Geschäft automatisierter Systeme.
Ein ATR-Stop ist ein Stop-Loss, dessen Abstand aus der Average True Range (ATR) abgeleitet wird – meist als Vielfaches wie 2×ATR. Bei einer Aktie zu 50 € und einer ATR(14) von 1,50 € liegt ein 2×ATR-Stop bei 47 €. Der Stop passt sich damit der Marktvolatilität an: weiter entfernt in unruhigen Phasen, enger in ruhigen – statt willkürlich gesetzt zu werden.
Backtesting ist das Testen einer Handelsstrategie auf historischen Kursdaten, um ihre Kennzahlen vor dem Live-Einsatz zu schätzen: Trefferquote, Profit Factor, Expectancy, Maximum Drawdown. Ein sauberer Backtest simuliert auch Gebühren, Spread und Slippage. Die größten Fallen sind Overfitting, Look-Ahead Bias und zu kleine Stichproben – historische Ergebnisse sind keine Garantie für die Zukunft.
Der Bid-Ask-Spread ist die Differenz zwischen dem höchsten Kaufgebot (Bid) und dem niedrigsten Verkaufsangebot (Ask) eines Markts. Er ist die unsichtbare Grundgebühr jedes Trades: Wer zu Marktpreisen kauft und sofort wieder verkauft, verliert genau den Spread. Enge Spreads signalisieren hohe Liquidität, weite Spreads illiquide Werte oder nervöse Marktphasen.
Bollinger-Bänder sind ein Volatilitätsindikator aus drei Linien: einem gleitenden Durchschnitt (Standard: SMA 20) und zwei Bändern im Abstand von je zwei Standardabweichungen. Sie zeigen, ob ein Kurs relativ zu seiner jüngsten Schwankungsbreite hoch oder tief steht. Enge Bänder (Squeeze) signalisieren niedrige Volatilität – historisch oft der Vorbote größerer Bewegungen.
Ein Break-Even-Stop ist ein Stop-Loss, der nach einem definierten Buchgewinn auf den Einstiegskurs nachgezogen wird. Wer bei 50 € kauft, den Stop bei 47 € setzt und ihn bei 53 € (+1R) auf 50 € zieht, kann aus dem Trade nicht mehr verlieren. Der Preis dafür: häufigere Ausstopper knapp am Einstand, bevor der Markt in die ursprüngliche Richtung weiterläuft.
Ein Breakout ist der Ausbruch des Kurses aus einer definierten Zone – über einen Widerstand, unter eine Unterstützung oder aus einer Seitwärtsrange. Trader handeln Breakouts, weil dem Ausbruch häufig eine impulsive Anschlussbewegung folgt. Die zentrale Herausforderung ist der False Breakout: ein Ausbruch, der scheitert und zurück in die Range fällt. Volumen und Retest dienen als Bestätigungsfilter.
Ein Candlestick ist die grafische Darstellung der Kursbewegung einer Zeitperiode mit vier Werten: Eröffnung, Hoch, Tief und Schluss (OHLC). Der Körper zeigt die Spanne zwischen Eröffnung und Schluss, die Dochte markieren die Extreme. Kerzencharts machen Kämpfe zwischen Käufern und Verkäufern sichtbar und sind die Standard-Darstellung im aktiven Trading.
Das Chance-Risiko-Verhältnis (CRV) setzt den möglichen Gewinn eines Trades ins Verhältnis zum riskierten Betrag: Zielabstand geteilt durch Stop-Abstand. Ein CRV von 3:1 bedeutet, dass der geplante Gewinn dreimal so groß ist wie der geplante Verlust (3R). Es ist nur die halbe Wahrheit: Erst zusammen mit der Trefferquote ergibt sich die Expectancy – ein hohes CRV bei zu niedriger Trefferquote verliert genauso wie das Umgekehrte.
Die Consistency Rule ist eine Prop-Firm-Regel, die gleichmäßig verteilte Gewinne erzwingt: Der beste Handelstag darf einen festgelegten Anteil des Gesamtgewinns nicht überschreiten, historisch oft 20–40 %. Wer zu viel Gewinn an einem einzelnen Ausreißertag erzielt, muss weiterhandeln, bis die Quote wieder eingehalten ist – sonst verzögert oder verweigert der Anbieter Bestehen oder Auszahlung.
Der CPI (Consumer Price Index) ist der US-Verbraucherpreisindex und das weltweit meistbeachtete Inflationsmaß. Er misst die monatliche Preisentwicklung eines repräsentativen Warenkorbs. Weil der CPI die Zinserwartungen an die Fed direkt steuert, gehört sein Veröffentlichungstermin zu den volatilsten Ereignissen im Marktkalender – entscheidend ist die Abweichung vom Konsens.
Das Daily Loss Limit ist der maximale Verlust, den ein Trader bei einer Prop-Firm an einem einzelnen Handelstag erreichen darf – typisch 4–5 % des Kontostands. Wird die Grenze berührt, endet Challenge oder Funded Account meist sofort. Anbieter berechnen das Limit unterschiedlich: auf Balance- oder Equity-Basis, teils inklusive offener Positionen.
Ein Drawdown ist der Rückgang des Kontostands von einem Hochpunkt (Peak) bis zum nachfolgenden Tiefpunkt, gemessen in Prozent oder Währung. Fällt ein Konto von 112.000 € auf 103.600 €, beträgt der Drawdown 7,5 %. Drawdowns sind der Normalzustand jeder Strategie – entscheidend ist, ihre Tiefe und Dauer zu kennen und die Positionsgröße daran auszurichten.
Die Equity-Kurve zeigt den Konto- bzw. Depotwert eines Traders über die Zeit – nach jedem Trade oder je Handelstag. Sie macht die Qualität einer Strategie sichtbar: Steigung (Rendite), Schwankung (Risiko) und Drawdown-Täler. Prop-Firms bewerten Trader faktisch über die Equity-Kurve, weil Daily und Overall Loss Limits direkt auf ihr operieren.
Die Evaluation ist die kostenpflichtige Prüfungsphase, über die eine Prop-Firm Trader auswählt: In einer oder zwei Phasen muss ein Gewinnziel erreicht werden, ohne Daily Loss Limit oder Overall Loss Limit zu verletzen. Wer besteht, erhält ein Funded Account mit Profit Split; jeder gescheiterte Versuch kostet erneut die Gebühr oder einen bezahlten Reset.
Die Expectancy (Erwartungswert) gibt an, wie viel ein Trade einer Strategie im Durchschnitt einbringt. Formel: Trefferquote × Ø-Gewinn − Verlustquote × Ø-Verlust. Bei 55 % Win Rate, 1.500 € Ø-Gewinn und 1.000 € Ø-Verlust beträgt die Expectancy 375 € pro Trade (0,375R bei 1.000 € Risiko). Eine positive Expectancy ist die Mindestbedingung für langfristige Profitabilität.
FOMO (Fear of Missing Out) ist die Angst, eine laufende Kursbewegung zu verpassen – und einer der teuersten Verhaltensfehler im Trading. Sie treibt Trader in späte Einkäufe nach ausgedehnten Bewegungen: teurer Entry, weiter Stop, schlechtes Chance-Risiko-Verhältnis. Gegenmittel sind ein definierter Trading-Plan, Setup-Checklisten und die Dokumentation von Emotionen im Journal.
Ein Funded Account ist ein Handelskonto, das eine Prop-Firm einem Trader nach bestandener Evaluation bereitstellt. Der Trader handelt mit nominellem Kapital der Firma statt mit eigenem Geld und behält über den Profit Split historisch meist 70–90 % der Gewinne. Die Risikoregeln der Evaluation, etwa Daily Loss Limit und Overall Loss Limit, gelten im Funded Account weiter.
Die Funding Rate ist eine periodische Zahlung zwischen Long- und Short-Positionen bei Perpetual Futures, die den Kontraktpreis an den Spot-Preis koppelt. Ist die Rate positiv, zahlen Longs an Shorts – und umgekehrt. Typisch sind Zahlungen alle acht Stunden. Für Halter gehebelter Positionen ist die Funding Rate ein laufender Kostenfaktor, für Analysten ein Sentiment-Indikator.
Ein gleitender Durchschnitt (Moving Average, MA) glättet Kursdaten, indem er fortlaufend den Durchschnitt der letzten n Perioden bildet. Die wichtigsten Varianten sind der einfache SMA und der exponentielle EMA, der jüngere Kurse stärker gewichtet. Moving Averages definieren Trendrichtung und dynamische Zonen für Ein- und Ausstiege – als nachlaufende Indikatoren bestätigen sie Trends, statt sie vorherzusagen.
Hebel (Leverage) erlaubt, mit hinterlegter Margin eine größere Position zu kontrollieren: Bei 10-fachem Hebel bewegen 10.000 € Margin eine 100.000-€-Position. Gewinne und Verluste berechnen sich auf die volle Positionsgröße – 1 % Kursbewegung entspricht 10 % auf die Margin. Der Hebel vergrößert nichts außer der Positionsgröße; das Risiko steuern Stop-Abstand und Positionsgröße.
Inflation ist der anhaltende Anstieg des allgemeinen Preisniveaus einer Volkswirtschaft, gemessen über Preisindizes wie den Verbraucherpreisindex (CPI bzw. HVPI). Für Trader ist Inflation doppelt relevant: Sie steuert die Zinspolitik der Zentralbanken – und damit die Bewertung fast aller Anlageklassen – und ihre Veröffentlichungstermine gehören zu den volatilsten Ereignissen im Marktkalender.
Das Kelly-Kriterium berechnet den Kapitalanteil, der bei bekannter Gewinnwahrscheinlichkeit und bekanntem Gewinn-Verlust-Verhältnis den langfristigen Kapitalzuwachs maximiert. Formel: f* = p − q ÷ b. Bei 55 % Trefferquote und 1,5-fachem Gewinn-Verlust-Verhältnis ergibt sich 25 %. In der Praxis gelten Bruchteile wie Viertel-Kelly als Standard, weil Full Kelly extreme Drawdowns erzeugt und Prop-Firm-Limits sprengen würde.
Der Konjunkturzyklus beschreibt die wiederkehrenden Schwankungen der Wirtschaftsleistung zwischen Aufschwung, Boom, Abschwung und Rezession. Für Trader definiert er das Marktregime: Zinsniveau, Sektorstärke und Volatilität hängen an der Zyklusphase. Gemessen wird er über Indikatoren wie GDP, PMI, Arbeitsmarktdaten und die Zinsstrukturkurve.
Der Leitzins ist der von einer Zentralbank festgelegte Zinssatz, zu dem sich Geschäftsbanken refinanzieren. Er ist das wichtigste Steuerungsinstrument der Geldpolitik: Änderungen wirken auf Kreditkosten, Anleiherenditen, Währungen und Aktienbewertungen. Zinsentscheide von Fed und EZB gehören zu den marktbewegendsten Terminen im Kalender – entscheidend ist die Abweichung von der Markterwartung.
Eine Limit Order ist ein Handelsauftrag mit Preisobergrenze (Kauf) bzw. -untergrenze (Verkauf): Ausgeführt wird nur zum Limitpreis oder besser. Der Trader kontrolliert damit den Preis, verzichtet aber auf die Ausführungsgarantie – läuft der Kurs weg, bleibt die Order unausgeführt. Limit Orders sind das Standardwerkzeug für geplante Einstiege an definierten Levels.
Liquidation ist die Zwangsschließung einer gehebelten Position durch Börse oder Broker, wenn die hinterlegte Margin die Mindestanforderung (Maintenance Margin) unterschreitet. Im Krypto-Handel geschieht das automatisch am vorab berechneten Liquidationspreis. Massenhafte Liquidationen können Kaskaden auslösen, in denen Zwangsverkäufe weitere Liquidationen nach sich ziehen und Bewegungen extrem beschleunigen.
Long und Short bezeichnen die beiden Grundrichtungen einer Position: Long profitiert von steigenden, Short von fallenden Kursen. Beim Shorten wird ein geliehener oder synthetischer Wert verkauft, um ihn später günstiger zurückzukaufen. Das Risikoprofil ist asymmetrisch: Ein Long kann maximal 100 % verlieren, ein ungesicherter Short theoretisch unbegrenzt – Stop-Management ist beim Shorten Pflicht.
Loss Aversion (Verlustaversion) ist die kognitive Verzerrung, dass Verluste psychologisch etwa doppelt so stark wiegen wie gleich große Gewinne – ein Kernbefund der Prospect Theory von Kahneman und Tversky. Im Trading führt sie dazu, Verlierer zu lange zu halten und Gewinner zu früh zu verkaufen – der sogenannte Dispositionseffekt.
Der MACD (Moving Average Convergence/Divergence) ist ein Trendfolge- und Momentum-Indikator aus drei Komponenten: der MACD-Linie (EMA 12 minus EMA 26), der Signallinie (EMA 9 der MACD-Linie) und dem Histogramm (Differenz beider). Er zeigt, ob sich zwei gleitende Durchschnitte annähern oder entfernen – und damit, ob Momentum auf- oder abgebaut wird. Als nachlaufender Indikator bestätigt er Trends, statt sie vorherzusagen.
Ein Margin Call ist die Aufforderung des Brokers, zusätzliches Kapital nachzuschießen oder Positionen zu reduzieren, weil die hinterlegte Margin unter die Mindestanforderung (Maintenance Margin) gefallen ist. Er ist die letzte Warnstufe vor der Zwangsschließung (Liquidation). Wer regelmäßig Margin Calls erhält, hat sein Risikomanagement bereits vorher verletzt – professionelle Trader dimensionieren Positionen so, dass es nie so weit kommt.
Ein Market Maker ist ein Marktteilnehmer, der fortlaufend verbindliche Kauf- und Verkaufskurse stellt und so Liquidität bereitstellt. Er verdient primär am Bid-Ask-Spread, nicht an der Kursrichtung. Für Trader bedeutet das: engere Spreads und schnellere Ausführung in liquiden Märkten – aber auch mögliche Interessenkonflikte, wenn Broker Kundenorders intern gegen das eigene Buch ausführen (B-Book).
Eine Market Order kauft oder verkauft sofort zum besten verfügbaren Kurs – sie garantiert die Ausführung, aber nicht den Preis. Das macht sie zum Werkzeug für Situationen, in denen Geschwindigkeit wichtiger ist als der letzte Cent: schnelle Ausbrüche, Notausstiege, hochliquide Märkte. In dünnen Orderbüchern oder bei News kann sie dagegen teuer werden, weil sie das Buch „durchfrisst“ und Slippage erzeugt.
Der Maximum Drawdown ist der größte prozentuale Rückgang einer Equity-Kurve vom Höchststand zum nachfolgenden Tiefpunkt, bevor ein neues Hoch erreicht wird. Fällt ein Konto von 112.000 € auf 103.600 €, beträgt der Maximum Drawdown 7,5 %. Die Kennzahl misst das historisch schlimmste Verlustszenario einer Strategie – für Prop-Firm-Trader zentral, weil Loss Limits einen maximal erlaubten Drawdown erzwingen.
NFP (Nonfarm Payrolls) ist der monatliche US-Arbeitsmarktbericht: die Zahl der neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft, ergänzt um Arbeitslosenquote und Lohnwachstum. Er erscheint am ersten Freitag des Monats und gehört wegen seiner direkten Wirkung auf die Zinserwartungen zu den volatilsten Terminen im Forex- und Indexhandel.
Eine OCO-Order (One-Cancels-the-Other) verknüpft zwei Orders so, dass die Ausführung der einen die andere automatisch löscht. Der Klassiker ist die Bracket-Absicherung einer Position: Take-Profit-Limit bei 56 € und Stop-Loss bei 47 € – wird eines der Niveaus erreicht, verschwindet die Gegenorder. So ist die Position in beide Richtungen gemanagt, ohne dass der Trader am Bildschirm sitzen muss.
Die One-Step-Challenge ist ein Evaluationsmodell von Prop-Firms mit nur einer Prüfungsphase: Ein Gewinnziel von historisch meist 9–10 % muss erreicht werden, ohne die Verlustgrenzen zu verletzen. Der schnellere Weg zum Funded Account wird häufig mit strengeren Regeln erkauft – typischerweise einem Trailing Drawdown statt einer statischen Gesamtgrenze.
Ein Order Block ist in der Marktstruktur-Analyse die letzte gegenläufige Kerze (oder Kerzengruppe) vor einer impulsiven Bewegung – etwa die letzte bärische Kerze vor einem starken Anstieg. Die Zone wird als Bereich interpretiert, in dem große Marktteilnehmer Positionen aufgebaut haben, und dient bei späteren Rücksetzern als beobachtete Reaktionszone. Das Konzept ist eine Heuristik, keine bestätigte Kausalität.
Das Orderbuch ist die nach Preis sortierte Liste aller offenen Kauf- und Verkaufsorders eines Instruments. Es zeigt, zu welchen Kursen wie viel Volumen bereitsteht, und bestimmt damit Spread, Ausführungspreis und Slippage. Trader lesen daraus Buchtiefe und Ungleichgewichte – etwa ob auf der Kaufseite deutlich mehr Volumen liegt als auf der Verkaufsseite.
Das Overall Loss Limit ist die maximale Gesamtverlustgrenze eines Prop-Firm-Kontos, typisch 8–10 % des Startkapitals. Anders als das Daily Loss Limit gilt es kumulativ über die gesamte Laufzeit von Challenge oder Funded Account. Je nach Anbieter ist die Grenze statisch oder wandert als Trailing Drawdown mit neuen Equity-Höchstständen mit.
Overtrading ist das Handeln von deutlich mehr Trades, als der eigene Trading-Plan vorsieht – aus Langeweile, FOMO, Frust oder dem Gefühl, ständig im Markt sein zu müssen. Die Folgen: sinkende Setup-Qualität, steigende Kosten durch Spreads und Kommissionen und eine verwässerte Expectancy. Weniger, dafür geplante Trades sind statistisch fast immer die bessere Wahl.
Ein Partial Fill (Teilausführung) liegt vor, wenn eine Order nur teilweise ausgeführt wird, weil am gewünschten Preis nicht genug Gegenvolumen vorhanden ist. Wer 1.000 Stück zu 50 € limitiert kauft, aber nur 400 erhält, hat einen Partial Fill. Folgen: abweichende Positionsgröße, mehrfache Kommissionen und Stops, die an die reale Stückzahl angepasst werden müssen.
Der Payout ist die Auszahlung des Trader-Anteils an den Gewinnen eines Funded Account. Er folgt festen Zyklen von meist 14 oder 30 Tagen, wird über den Profit Split verteilt und ist an Bedingungen wie High-Water-Mark, Mindestbeträge und regelkonformes Trading geknüpft. Verweigerte Payouts sind ein realer Risikofaktor der Prop-Firm-Branche.
Ein Pip ist die standardisierte kleinste Kurseinheit im Devisenhandel – bei den meisten Paaren die vierte Nachkommastelle (0,0001), bei Yen-Paaren die zweite (0,01). Pips machen Kursbewegungen über Paare hinweg vergleichbar und sind die Basis jeder Positionsgrößen- und Risikoberechnung: Erst der Pip-Wert übersetzt eine Stop-Distanz in echtes Geld.
Position Sizing bestimmt, wie viele Einheiten eines Instruments ein Trader kauft oder verkauft – abgeleitet aus Kontorisiko und Stop-Abstand, nicht aus Bauchgefühl. Die Kernformel: Positionsgröße = Kontorisiko ÷ Stop-Abstand je Einheit. Sie macht Verluste planbar und vergleichbar (1R-Logik) und ist der Hebel, über den Risikomanagement praktisch umgesetzt wird – wichtiger als jedes Entry-Signal.
Der Profit Factor ist das Verhältnis aus Bruttogewinn zu Bruttoverlust einer Strategie. Erzielen 55 Gewinntrades zusammen 82.500 € und 45 Verlusttrades 45.000 € Verlust, beträgt der Profit Factor 1,83. Werte über 1 bedeuten Profitabilität; historisch gelten Werte zwischen 1,5 und 2 als robust, während deutlich höhere Werte oft auf zu kleine Stichproben oder Überanpassung hindeuten.
Der Profit Split ist der Verteilungsschlüssel, nach dem eine Prop-Firm die Gewinne aus einem Funded Account mit dem Trader teilt – historisch meist 70–90 % zugunsten des Traders. Bei einem 80/20-Split und 4.000 € Gewinn erhält der Trader 3.200 €. Ausgezahlt wird in festen Zyklen; viele Anbieter verbessern den Split über einen Scaling Plan schrittweise.
Eine Prop-Firm (Proprietary-Trading-Firma) ist ein Unternehmen, das Tradern nach einer kostenpflichtigen Evaluation Zugang zu firmeneigenem Kapital gewährt. Gehandelt wird nach festen Risikoregeln wie Daily Loss Limit und maximalem Drawdown; Gewinne werden über einen Profit Split von meist 70–90 % geteilt. Regeln, Modelle und Auszahlungsbedingungen variieren je Anbieter erheblich.
Ein R-Multiple drückt das Ergebnis eines Trades als Vielfaches des ursprünglich riskierten Betrags (1R) aus. Wer 1.000 € riskiert und 2.300 € gewinnt, verbucht +2,3R; ein voller Stop-Ausstieg ist −1R. Die Normierung macht Trades unterschiedlicher Größe und Konten vergleichbar und ist die Grundlage für Expectancy- und Verteilungsanalysen im Trading-Journal.
Range Trading ist ein Handelsstil, der auf seitwärts laufende Märkte setzt: Gekauft wird nahe der Unterstützung, verkauft nahe dem Widerstand der Spanne – so lange, bis die Range bricht. Der Stil lebt von einer hohen Trefferquote bei begrenztem Gewinn je Trade und verlangt harte Regeln dafür, wann eine Range als beendet gilt.
Revenge Trading ist der Versuch, einen gerade erlittenen Verlust sofort durch neue, meist größere und ungeplante Trades zurückzuholen. Der Fokus verschiebt sich vom Setup auf den Kontostand: Statt des nächsten geplanten Trades wird der Verlust „bekämpft“. Typische Folge ist eine Verlustspirale – in Prop-Firm-Konten häufig bis zum Reißen des Daily Loss Limits.
Der RSI (Relative Strength Index) ist ein Momentum-Oszillator, der die Stärke von Aufwärts- gegen Abwärtsbewegungen der letzten n Perioden (Standard: 14) auf einer Skala von 0 bis 100 misst. Werte über 70 gelten als überkauft, unter 30 als überverkauft – in starken Trends kann der RSI aber lange extrem bleiben. Am zuverlässigsten wirkt er als Timing-Werkzeug im Kontext des übergeordneten Regimes, nicht als alleiniges Umkehrsignal.
Ein Scaling Plan ist ein Stufenmodell, mit dem eine Prop-Firm das nominelle Kapital eines Funded Accounts schrittweise erhöht – etwa von 100.000 € auf 125.000 €, wenn der Trader über mehrere Auszahlungszyklen profitabel bleibt und keine Regeln verletzt. Loss Limits wachsen mit dem Kapital mit; manche Anbieter verbessern zusätzlich den Profit Split. Die Bedingungen variieren je Anbieter erheblich.
Scalping ist der kurzfristigste Trading-Stil: viele Trades mit Haltedauern von Sekunden bis Minuten, die jeweils nur wenige Punkte oder Pips Gewinn anstreben. Weil die Zielgewinne winzig sind, entscheiden Spread, Slippage und Gebühren über die Profitabilität – und viele Prop-Firms und Broker begrenzen Scalping durch Mindesthaltedauern oder Konsistenzregeln.
Die Sharpe Ratio misst die risikoadjustierte Rendite einer Strategie: Überrendite gegenüber dem risikofreien Zins geteilt durch die Volatilität der Renditen. Erzielt eine Strategie 12 % pro Jahr bei 2 % risikofreiem Zins und 8 % Volatilität, beträgt die Sharpe Ratio 1,25. Höhere Werte bedeuten mehr Rendite je Risikoeinheit; Werte über 1 gelten historisch als solide.
Slippage ist die Differenz zwischen dem erwarteten und dem tatsächlichen Ausführungskurs einer Order. Sie entsteht, wenn sich der Kurs zwischen Orderaufgabe und Ausführung bewegt oder die Liquidität am gewünschten Preis nicht ausreicht. In ruhigen, liquiden Märkten ist sie minimal – bei News, Gaps und dünnen Orderbüchern kann sie Stops deutlich hinter dem geplanten Niveau ausführen und die Trade-Statistik spürbar verzerren.
Der Static Drawdown ist eine feste Verlustgrenze bei Prop-Firms: Sie liegt unverändert unter dem Startkapital, unabhängig davon, wie hoch die Equity zwischenzeitlich steigt. Bei einem 100.000-€-Konto mit 10 % Static Drawdown darf die Equity nie unter 90.000 € fallen. Gewinne vergrößern den nutzbaren Puffer, weil die Grenze stehen bleibt – die mildere Alternative zum Trailing Drawdown.
Eine Stop-Limit-Order kombiniert zwei Preisniveaus: Beim Erreichen des Stop-Kurses wird keine Market-, sondern eine Limit-Order mit definiertem Limit-Kurs aktiviert. Beispiel: Stop 47 €, Limit 46,80 € – verkauft wird nur zu 46,80 € oder besser. Das schützt vor Slippage, birgt aber das Risiko, dass die Order in schnellen Märkten gar nicht ausgeführt wird.
Ein Stop-Loss ist eine Order, die eine Position automatisch schließt, wenn der Kurs ein festgelegtes Niveau erreicht – die technische Umsetzung der Verlustbegrenzung. Er definiert das Risiko eines Trades im Voraus (1R) und ist die Grundlage jeder Positionsgrößenberechnung. Klassische Stop-Orders werden bei Auslösung zu Marktorders und können in schnellen Märkten mit Slippage ausgeführt werden.
Swing Trading ist ein Handelsstil mit Haltedauern von Tagen bis Wochen, der einzelne Kursschwingungen („Swings“) innerhalb übergeordneter Trends handelt. Er liegt zwischen Daytrading (Intraday) und Positionstrading (Monate) und kommt mit deutlich weniger Bildschirmzeit aus. Dafür trägt der Swing Trader Overnight- und Gap-Risiko – Positionen können über Nacht oder übers Wochenende gegen ihn eröffnen.
Eine Take-Profit-Order schließt eine Position automatisch, wenn der Kurs ein definiertes Gewinnziel erreicht – das Gegenstück zum Stop-Loss. Zusammen definieren beide das Chance-Risiko-Verhältnis eines Trades im Voraus. Sinnvolle Ziele liegen an objektiven Marktstrukturen (Widerstandszonen, Vorhochs, Messziele), nicht an Wunschbeträgen – und die Wahl zwischen festem Ziel und Trailing entscheidet, ob man Konsistenz oder Trendausbeute optimiert.
Tilt ist ein emotionaler Ausnahmezustand, in dem ein Trader die Kontrolle über seinen Entscheidungsprozess verliert – ausgelöst durch Verluste, verpasste Chancen oder Frustration. Auf Tilt werden Regeln ignoriert, Positionen vergrößert und Trades erzwungen. Der Begriff stammt aus dem Poker; im Trading gilt: Tilt erkennen und pausieren schützt das Konto mehr als jedes Setup.
Ein Trading-Plan ist das schriftliche Regelwerk eines Traders: Er definiert handelbare Setups, Risiko pro Trade, Entry- und Exit-Regeln, Tageslimits und Routinen. Sein Zweck ist, Entscheidungen vor der Emotion zu treffen – im Trade selbst wird nur noch ausgeführt. Ohne schriftlichen Plan ist nicht prüfbar, ob ein Verlust am Markt oder an der Disziplin lag.
Der Trailing Drawdown ist eine dynamische Verlustgrenze bei Prop-Firms: Sie liegt in festem Abstand unter dem höchsten je erreichten Kontostand und wandert mit jedem neuen Equity-Hoch nach oben – sinkt aber nie wieder ab. Steigt ein 100.000-€-Konto mit 10 % Trailing Drawdown auf 105.000 €, liegt die Grenze bei 95.000 €. Ein Unterschreiten beendet Challenge oder Funded Account sofort.
Ein Trailing Stop ist eine Stop-Loss-Order, die dem Kurs in festgelegtem Abstand automatisch nachgezogen wird – im Long-Trade nach oben, nie zurück. Er sichert aufgelaufene Gewinne, ohne das Gewinnpotenzial hart zu deckeln. Der Preis dafür: In Seitwärtsphasen wird er häufiger ausgelöst als ein statischer Stop.
Eine Two-Step-Challenge ist das verbreitetste Evaluationsmodell von Prop-Firms. Trader müssen in zwei aufeinanderfolgenden Phasen definierte Gewinnziele erreichen – typisch 8 % in Phase 1 und 5 % in Phase 2 –, ohne Daily Loss Limit oder Overall Loss Limit zu verletzen. Wer beide Phasen besteht, erhält ein Funded Account mit Profit Split.
Unterstützung und Widerstand sind Kurszonen, an denen der Markt wiederholt gedreht hat: Unterstützung fängt fallende Kurse ab (Kaufinteresse), Widerstand deckelt steigende (Verkaufsinteresse). Es sind Zonen erhöhter Reaktionswahrscheinlichkeit, keine exakten Linien – und ein gebrochenes Level wechselt oft die Rolle (Support wird Resistance und umgekehrt). Sie strukturieren Entries, Stops und Ziele fast aller technischen Setups.
Volatilität misst die Schwankungsintensität eines Marktes – wie stark sich Kurse in einem Zeitraum bewegen, unabhängig von der Richtung. Trader messen sie historisch (Standardabweichung, ATR) oder implizit über Optionspreise (z. B. VIX). Sie ist kein Risiko an sich, sondern der Rohstoff des Tradings: Ohne Bewegung keine Gewinne – aber Positionsgrößen und Stop-Abstände müssen an das aktuelle Volatilitätsregime angepasst werden.
Volumen ist die Anzahl der in einem Zeitraum gehandelten Einheiten eines Instruments – Aktien, Kontrakte oder Coins. Es zeigt, wie viel Aktivität hinter einer Kursbewegung steht: Ausbrüche mit hohem Volumen gelten als belastbarer als solche auf dünnem Umsatz. Im Forex-CFD-Handel ist nur Tick-Volumen sichtbar, kein echtes gehandeltes Volumen.
Der VWAP (Volume Weighted Average Price) ist der volumengewichtete Durchschnittskurs eines Handelstages: Summe aus Preis × Volumen aller Transaktionen geteilt durch das Gesamtvolumen. Er zeigt, zu welchem Kurs der „durchschnittliche Euro“ gehandelt wurde. Institutionelle nutzen ihn als Ausführungs-Benchmark, Intraday-Trader als dynamische Referenzlinie für über- oder unterbewertete Kurse relativ zum Tagesgeschäft.
Die Win Rate (Trefferquote) ist der Anteil der Gewinntrades an allen Trades einer Strategie. 55 Gewinner aus 100 Trades ergeben eine Win Rate von 55 %. Allein ist die Kennzahl wenig aussagekräftig: Erst in Kombination mit dem Chance-Risiko-Verhältnis entsteht ein Bild – eine Strategie mit 40 % Win Rate kann profitabler sein als eine mit 70 %, wenn die Gewinne groß genug sind.
Die Yield Curve (Zinsstrukturkurve) zeigt die Renditen von Staatsanleihen über verschiedene Laufzeiten. Ihre Form spiegelt Zins- und Konjunkturerwartungen: Normalerweise steigt sie mit der Laufzeit an; eine inverse Kurve – kurze Renditen über langen – ging historisch den meisten US-Rezessionen voraus, mit einem Vorlauf von teils sechs bis 24 Monaten.