Slippage
Slippage ist die Differenz zwischen dem erwarteten und dem tatsächlichen Ausführungskurs einer Order. Sie entsteht, wenn sich der Kurs zwischen Orderaufgabe und Ausführung bewegt oder die Liquidität am gewünschten Preis nicht ausreicht. In ruhigen, liquiden Märkten ist sie minimal – bei News, Gaps und dünnen Orderbüchern kann sie Stops deutlich hinter dem geplanten Niveau ausführen und die Trade-Statistik spürbar verzerren.
Context & Mechanics
Wie Slippage entsteht
Zwischen dem Klick auf „Kaufen“ und der tatsächlichen Ausführung liegen Millisekunden bis Sekunden – genug, damit sich der Kurs bewegt. Zusätzlich konsumiert jede Marktorder das Orderbuch: Reicht die Liquidität auf dem besten Level nicht, wird der Rest auf schlechteren Niveaus ausgeführt (Walking the Book). Slippage ist also kein Fehler des Brokers, sondern Marktmechanik – sie kann übrigens auch positiv ausfallen, wenn sich der Kurs zugunsten des Traders bewegt.
Wann sie gefährlich wird
Drei Situationen erzeugen die großen Ausreißer: Nachrichten-Events (Kurse springen, Spreads reißen auf), Gaps (der Markt eröffnet jenseits des Stop-Niveaus – der Stop wird zum nächsten handelbaren Kurs ausgeführt) und illiquide Instrumente oder Randzeiten (dünne Orderbücher schon bei normaler Ordergröße). Für Stop-Losses heißt das: Das geplante 1R-Risiko ist eine Untergrenze, keine Garantie – in Extremfällen wird deutlich schlechter ausgeführt als geplant.
Slippage managen
Reduzieren lässt sich Slippage über Limit-Orders (Preiskontrolle statt Ausführungsgarantie), liquide Handelszeiten und Instrumente, angemessene Ordergrößen relativ zum Buch sowie das Meiden von News-Terminen. Ganz eliminieren lässt sie sich nicht – deshalb gehört sie ins Backtesting und in die Trade-Auswertung: Wer seine reale durchschnittliche Slippage kennt, rechnet sie in Expectancy und Positionsgröße ein, statt von Idealausführungen zu träumen.
Bedeutung für Trader
Slippage ist neben Spread und Kommission der dritte reale Kostenblock – und der am häufigsten unterschätzte, weil er unregelmäßig, aber im schlechtesten Moment zuschlägt. Im GlanWick-Simulator lassen sich Order-Szenarien beispielhaft und ohne echtes Kapital durchspielen – GlanWick ist ein Trainings- und Simulationstool und selbst keine Prop-Firm.
Execution Beispiel
Ein Trader hält 500 Aktien long, Stop-Loss bei 40,00 € (geplantes Risiko: 1,00 € je Aktie ab Entry 41,00 € = 500 € = 1R). Nach schwachen Quartalszahlen eröffnet die Aktie am nächsten Morgen mit Gap-Down bei 38,20 €.
- Stop-Auslösung: Der Stop bei 40,00 € wird durch die Gap-Eröffnung aktiviert – ausgeführt wird aber zum nächsten handelbaren Kurs: 38,20 €.
- Slippage: 40,00 − 38,20 = 1,80 € je Aktie → 900 € zusätzlicher Verlust über Plan.
- Realer Verlust: statt −500 € (1R) nun −1.400 € (2,8R) – die Planungsgröße 1R war eine Untergrenze.
- Konsequenz: Der Trader meidet künftig Earnings-Termine mit offenen Positionen und reduziert die Größe bei Overnight-Trades – Slippage-Risiko wird wie ein zweiter, unsichtbarer Stop-Abstand behandelt.
Execution Risk & Errors
Slippage im Backtesting ignorieren und mit Idealausführungen rechnen
Marktorders in illiquiden Instrumenten oder Randzeiten platzieren
Über News-Termine und Earnings halten, ohne das Gap-Risiko einzupreisen
Ordergrößen wählen, die das sichtbare Orderbuch überfordern
Nach negativer Slippage dem Broker die Schuld geben, statt Ausführungszeiten und Instrumente anzupassen
Häufige Fragen
Ist Slippage immer negativ?
Nein – bewegt sich der Kurs zwischen Orderaufgabe und Ausführung zugunsten des Traders, entsteht positive Slippage. Statistisch überwiegt bei Marktorders in schnellen Märkten aber die negative Seite, weil Orders prozyklisch ausgelöst werden.
Wie vermeide ich Slippage bei Stop-Losses?
Ganz vermeiden lässt sie sich nicht: Der klassische Stop wird zur Marktorder. Reduzieren helfen liquide Märkte, das Meiden von News-Terminen und moderate Größen. Stop-Limit-Orders kontrollieren den Preis, riskieren dafür Nichtausführung – für Verlustbegrenzung meist die schlechtere Wahl.
Wie viel Slippage ist normal?
In liquiden Märkten zu Haupthandelszeiten oft nur ein Tick oder weniger. Relevant sind die Ausreißer bei Gaps und News – deshalb misst man die eigene durchschnittliche und maximale Slippage über die Trade-Historie statt mit Pauschalwerten zu rechnen.
Berücksichtigt Backtesting Slippage?
Nur wenn man sie explizit modelliert – z. B. als festen Abschlag pro Trade oder über Bid/Ask-Daten. Backtests ohne Slippage- und Spread-Annahmen überschätzen die Rendite systematisch, besonders bei hochfrequenten Strategien.