Partial Fill (Teilausführung)
Ein Partial Fill (Teilausführung) liegt vor, wenn eine Order nur teilweise ausgeführt wird, weil am gewünschten Preis nicht genug Gegenvolumen vorhanden ist. Wer 1.000 Stück zu 50 € limitiert kauft, aber nur 400 erhält, hat einen Partial Fill. Folgen: abweichende Positionsgröße, mehrfache Kommissionen und Stops, die an die reale Stückzahl angepasst werden müssen.
Context & Mechanics
Definition und Ursache
Ein Partial Fill entsteht, wenn im Order Book am gewünschten Preis weniger Gegenvolumen liegt, als die Order verlangt. Beispiel: Kauf-Limit 1.000 Stück zu 50 €, aber auf der Ask-Seite stehen nur 400 Stück zu diesem Preis – 400 werden gefüllt, 600 bleiben als offene Restorder im Buch. Besonders häufig betrifft das Limit Orders in illiquiden Werten, große Orders relativ zum üblichen Volumen und schnelle Märkte, in denen Liquidität zwischen zwei Ticks verschwindet.
Order-Zusätze steuern das Verhalten
Was mit dem Rest passiert, bestimmen Time-in-Force-Zusätze: GTC (Good-till-cancelled) lässt den Rest im Buch, bis er füllt oder storniert wird. IOC (Immediate-or-cancel) führt sofort aus, was geht, und löscht den Rest. FOK (Fill-or-kill) akzeptiert nur die komplette Ausführung – sonst passiert nichts. Die Wahl ist strategisch: IOC vermeidet vergessene Restorders, FOK schützt vor Zwerg-Positionen, GTC maximiert die Füllchance auf Kosten der Kontrolle.
Praktische Konsequenzen
Drei Effekte werden häufig übersehen: Erstens stimmt das Position Sizing nicht mehr – wer 1.000 € Risiko auf 1.000 Stück geplant hat, trägt mit 400 Stück nur 400 € Risiko und verzerrt damit seine R-Rechnung. Zweitens können mehrfache Teilausführungen je nach Gebührenmodell mehrfache Mindest-Kommissionen kosten. Drittens müssen Stop- und Ziel-Orders auf die reale Stückzahl angepasst werden – besonders kritisch bei OCO-Brackets, deren Plattform-Verhalten bei Teilausführungen variiert.
Bedeutung für Trader
Partial Fills sind kein Fehler, sondern Marktmechanik – entscheidend ist, sie im Workflow einzuplanen: Ordergröße an der realen Liquidität ausrichten, Time-in-Force bewusst wählen, Fills kontrollieren. Im GlanWick-Simulator lässt sich beispielhaft nachvollziehen, wie Ordergröße und Buchtiefe die Ausführung beeinflussen – GlanWick ist ein Trainings- und Simulationstool und selbst keine Prop-Firm.
Execution Beispiel
Ein Trader plant auf einem 100.000-€-Konto einen Kauf von 1.000 Stück einer nebenwerte-typisch dünn gehandelten Aktie per Limit 50 € (geplantes Risiko 1.000 € bei Stop 49 €). Am Limit liegen nur 400 Stück im Angebot.
- Ausführung: 400 Stück füllen zu 50 € – Partial Fill; 600 Stück bleiben als GTC-Rest im Buch.
- Risiko-Check: Statt 1.000 € beträgt das reale Risiko nur 400 € (0,4R) – die Stop-Order muss von 1.000 auf 400 Stück angepasst werden, sonst würde sie 600 Stück short verkaufen.
- Später Fill: Der Kurs kehrt nach zwei Stunden zurück und füllt die restlichen 600 Stück – die Position ist nun komplett, aber zeitversetzt und mit zweiter Kommission.
- Alternative: Mit IOC wäre der Rest sofort gelöscht worden (bewusste 400er-Position), mit FOK wäre gar nichts gefüllt worden – die Wahl des Zusatzes ist Teil des Setups.
Execution Risk & Errors
Stop- und Ziel-Orders nach einem Partial Fill nicht an die reale Stückzahl anpassen
Offene GTC-Restorders vergessen, die Stunden später unerwartet füllen
Ordergrößen wählen, die ein Vielfaches der üblichen Buchtiefe betragen
Time-in-Force-Zusätze (GTC/IOC/FOK) nicht bewusst einsetzen
Mehrfach-Kommissionen bei gestückelten Ausführungen im Gebührenmodell übersehen
Häufige Fragen
Warum wird meine Order nur teilweise ausgeführt?
Weil am Ausführungspreis nicht genug Gegenvolumen im Orderbuch liegt. Betroffen sind vor allem Limit Orders in illiquiden Werten und Orders, die groß relativ zur Buchtiefe sind.
Was passiert mit dem nicht ausgeführten Rest?
Das bestimmt der Time-in-Force-Zusatz: GTC lässt ihn im Buch, IOC löscht ihn sofort, FOK verhindert von vornherein jede Teilausführung.
Muss ich meinen Stop nach einem Partial Fill anpassen?
Ja – auf die tatsächlich gefüllte Stückzahl. Ein Stop über die geplante volle Größe würde beim Auslösen eine ungewollte Short-Position eröffnen.
Wie vermeide ich Partial Fills?
Ordergröße an der realen Liquidität ausrichten, liquide Handelszeiten wählen, große Orders stückeln oder FOK nutzen, wenn nur die komplette Ausführung sinnvoll ist.