Expectancy (Erwartungswert)
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Performance-Analyse & Journaling
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Performance-Kennzahlen
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· Methodik
Die Expectancy (Erwartungswert) gibt an, wie viel ein Trade einer Strategie im Durchschnitt einbringt. Formel: Trefferquote × Ø-Gewinn − Verlustquote × Ø-Verlust. Bei 55 % Win Rate, 1.500 € Ø-Gewinn und 1.000 € Ø-Verlust beträgt die Expectancy 375 € pro Trade (0,375R bei 1.000 € Risiko). Eine positive Expectancy ist die Mindestbedingung für langfristige Profitabilität.
Context & Mechanics
Definition und Berechnung
Die Expectancy beantwortet die wichtigste Frage an jede Strategie: Was bringt der nächste Trade im statistischen Mittel? Formel: (Win Rate × Ø-Gewinn) − (Verlustquote × Ø-Verlust). Beispiel: (0,55 × 1.500 €) − (0,45 × 1.000 €) = 825 € − 450 € = 375 € pro Trade. Normiert auf das Risiko pro Trade (1R = 1.000 €) entspricht das 0,375R – die Darstellung in R-Multiples macht Strategien mit unterschiedlichen Kontogrößen vergleichbar.
Interpretation
Eine positive Expectancy ist notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung für Erfolg: Sie sagt nichts über die Schwankungen auf dem Weg. Eine Strategie mit +0,375R Expectancy kann problemlos acht Verluste in Folge produzieren – erst über viele Trades konvergiert das Ergebnis gegen den Erwartungswert (Gesetz der großen Zahlen). Deshalb gehören Stichprobengröße und Maximum Drawdown immer neben die Expectancy. Kleine Verschiebungen wirken stark: Steigt der Ø-Verlust im Beispiel von 1.000 € auf 1.400 € (schlechtes Stop-Management), fällt die Expectancy von 375 € auf 195 € – fast eine Halbierung.
Expectancy im Prop-Trading
Für Challenge-Rechnungen ist die Expectancy das zentrale Planungswerkzeug: Bei 0,375R pro Trade und 1 % Risiko braucht ein 8-%-Gewinnziel rechnerisch etwa 21–22 Trades – eine realistische Grundlage für Zeitplanung und Mindesthandelstage. Zugleich zeigt sie, ob ein Regelwerk überhaupt erreichbar ist, ohne das Risiko pro Trade gefährlich zu erhöhen.
Bedeutung für Trader
Expectancy verlagert den Fokus vom einzelnen Trade auf den Prozess: Nicht der Ausgang eines Trades zählt, sondern die Qualität der Verteilung über hunderte Trades. Im GlanWick-Journal wird die Expectancy automatisch aus den erfassten Trades berechnet – GlanWick ist ein Trainings- und Simulationstool und selbst keine Prop-Firm.
Execution Beispiel
Ein Trader wertet 100 Trades auf einem 100.000-€-Konto aus (1.000 € Risiko pro Trade): 55 % Win Rate, Ø-Gewinn 1.500 €, Ø-Verlust 1.000 €. Er plant eine Challenge mit 8 % Gewinnziel.
- Expectancy: (0,55 × 1.500 €) − (0,45 × 1.000 €) = 375 € pro Trade (0,375R).
- Plausibilitätscheck über 100 Trades: 100 × 375 € = 37.500 € erwarteter Gewinn – deckt sich mit dem realen Journal-Ergebnis.
- Challenge-Rechnung: Gewinnziel 8.000 € ÷ 375 € ≈ 21–22 Trades im statistischen Mittel.
- Sensitivität: Steigt der Ø-Verlust auf 1.400 €, fällt die Expectancy auf 195 € – das Gewinnziel braucht dann ≈41 Trades; Stop-Disziplin ist der größte Hebel.
Execution Risk & Errors
Expectancy aus zu kleinen Stichproben berechnen und für belastbar halten
Verlustserien unterschätzen, die trotz positiver Expectancy normal sind
Den Einfluss einzelner Ausreißergewinne auf den Ø-Gewinn übersehen
Kosten und Slippage nicht vom Ø-Gewinn abziehen
Nach kurzen Verluststrecken die Strategie wechseln, bevor der Erwartungswert greifen kann
Häufige Fragen
Was ist eine gute Expectancy?
Jeder positive Wert nach Kosten ist tragfähig; entscheidend ist die Kombination mit Trade-Frequenz und Schwankung. In R normiert gelten historisch Werte ab etwa 0,2R pro Trade als solide Basis.
Kann eine Strategie mit niedriger Win Rate positive Expectancy haben?
Ja. Bei 40 % Win Rate und einem Ø-Gewinn vom 2,5-Fachen des Ø-Verlusts liegt die Expectancy bei +0,4R – höher als im Beispiel mit 55 % Win Rate.
Wie viele Trades brauche ich für eine belastbare Expectancy?
Historisch gelten mindestens 100 Trades pro Setup als grobe Untergrenze; je größer die Streuung der Ergebnisse, desto mehr Stichprobe ist nötig.
Wofür nutze ich die Expectancy konkret?
Für Planungsrechnungen: erwartete Trades bis zum Gewinnziel, realistische Zeitpläne für Challenges und der Vergleich von Setups im Journal.