Order Block
Kategorie
Fortgeschrittene Marktstruktur
Unterkategorie
ICT-Konzepte
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· Methodik
Ein Order Block ist in der Marktstruktur-Analyse die letzte gegenläufige Kerze (oder Kerzengruppe) vor einer impulsiven Bewegung – etwa die letzte bärische Kerze vor einem starken Anstieg. Die Zone wird als Bereich interpretiert, in dem große Marktteilnehmer Positionen aufgebaut haben, und dient bei späteren Rücksetzern als beobachtete Reaktionszone. Das Konzept ist eine Heuristik, keine bestätigte Kausalität.
Context & Mechanics
Definition
Der Order Block stammt aus der Smart-Money- bzw. ICT-orientierten Marktstrukturanalyse. Die Idee: Bevor große Adressen eine impulsive Bewegung auslösen, bauen sie Positionen auf – sichtbar als letzte gegenläufige Candlestick-Kerze vor dem Impuls. Ein bullischer Order Block ist die letzte bärische Kerze vor einem starken Anstieg; ein bärischer die letzte bullische Kerze vor einem Abverkauf. Die Zone zwischen Hoch und Tief dieser Kerze (oft auf den Kerzenkörper reduziert) wird markiert und bei späteren Rücksetzern als potenzielle Reaktionszone beobachtet – ähnlich einer verfeinerten Support- oder Resistance-Zone.
Qualitätskriterien
In der Praxis werden Order Blocks gefiltert: Der folgende Impuls sollte Marktstruktur brechen (Break of Structure) statt nur Rauschen zu sein; die Zone sollte „frisch“ sein, also noch nicht mehrfach angelaufen; erhöhtes Volumen im Impuls stützt die Interpretation; und höhere Zeitebenen liefern robustere Zonen als der Minutenchart. Häufig kombiniert werden Order Blocks mit Fair Value Gaps und Liquiditätsniveaus über offensichtlichen Hochs/Tiefs.
Kritische Einordnung
Die Erzählung „dort liegen noch institutionelle Orders“ ist nicht verifizierbar – Orderbücher zeigen ruhende Orders nicht dauerhaft, und öffentliche Belege für die Kausalität fehlen. Nüchtern betrachtet markieren Order Blocks Zonen, an denen zuvor ein starkes Ungleichgewicht begann – dass Kurse an solchen Zonen häufiger reagieren, überschneidet sich stark mit klassischer Support/Resistance-Logik. Handelbar wird das Konzept erst mit definierten Regeln (Entry, Stop hinter der Zone, Ziel) und einer eigenen Journal-Statistik – historische Trefferquoten ersetzen den Glauben an die Erzählung.
Bedeutung für Trader
Order Blocks strukturieren Rücksetzer-Entries in Trendbewegungen und liefern logische Stop-Platzierungen (hinter der Zone). Im GlanWick-Chart lassen sich Zonen markieren und ihre historische Reaktionsquote beispielhaft prüfen – GlanWick ist ein Trainings- und Simulationstool und selbst keine Prop-Firm.
Execution Beispiel
Eine Aktie konsolidiert um 50 €. Eine letzte bärische Kerze fällt von 50,20 € auf 49,80 € – direkt danach steigt der Kurs impulsiv mit hohem Volumen auf 53 € und bricht das letzte Zwischenhoch. Ein Trader (100.000-€-Konto, 1.000 € Risiko) markiert die Kerzenzone 49,80–50,20 € als bullischen Order Block.
- Identifikation: letzte bärische Kerze (49,80–50,20 €) vor Impuls mit Strukturbruch – die Zone ist frisch und vom Volumen gestützt.
- Setup: Kauf-Limit am oberen Zonenrand 50,20 €, Stop unter der Zone bei 49,70 € (0,50 € Abstand) → 2.000 Stück für 1.000 € Risiko (1R).
- Ablauf: Der Rücksetzer erreicht 50,10 €, die Zone hält, der Kurs dreht – Ziel am letzten Hoch 53 € wäre +5,6R; konservativ zur Hälfte bei +2R (51,20 €) realisiert.
- Statistik statt Glaube: Erst die Journal-Auswertung über viele solcher Zonen zeigt, ob die Reaktionsquote den Regelsatz trägt – der einzelne Treffer beweist nichts.
Execution Risk & Errors
Jede gegenläufige Kerze als Order Block markieren, ohne Strukturbruch und Impulsqualität zu prüfen
Mehrfach angelaufene (verbrauchte) Zonen wie frische behandeln
Die Smart-Money-Erzählung als bewiesene Kausalität statt als Heuristik verstehen
Ohne definierten Stop hinter der Zone handeln
Die Reaktionsquote der eigenen Zonen nie im Journal auswerten
Häufige Fragen
Was unterscheidet einen Order Block von klassischem Support/Resistance?
Die Konstruktion: Order Blocks werden aus der letzten gegenläufigen Kerze vor einem Impuls abgeleitet, klassische Zonen aus mehrfach getesteten Hochs und Tiefs. In der Praxis überschneiden sich beide häufig.
Ist die Order-Block-Theorie belegt?
Die Erzählung ruhender institutioneller Orders ist nicht verifizierbar. Belastbar ist nur die eigene Statistik: definierte Regeln, viele Beobachtungen, Journal-Auswertung der Reaktionsquote.
Auf welcher Zeitebene funktionieren Order Blocks am besten?
Höhere Zeitebenen (H1 aufwärts) liefern historisch robustere Zonen als Minutencharts, weil sie weniger Rauschen enthalten. Viele Trader identifizieren die Zone im höheren und timen den Entry im niedrigeren Timeframe.
Was macht einen Order Block „frisch“?
Die Zone wurde seit ihrer Entstehung noch nicht angelaufen. Mit jedem Test gilt sie als verbrauchter, weil die unterstellte Restliquidität abnimmt.