Equity-Kurve
Kategorie
Performance-Analyse & Journaling
Unterkategorie
Equity Curve & Verteilungsanalyse
Kuratiert von
Zuletzt geprüft
· Methodik
Die Equity-Kurve zeigt den Konto- bzw. Depotwert eines Traders über die Zeit – nach jedem Trade oder je Handelstag. Sie macht die Qualität einer Strategie sichtbar: Steigung (Rendite), Schwankung (Risiko) und Drawdown-Täler. Prop-Firms bewerten Trader faktisch über die Equity-Kurve, weil Daily und Overall Loss Limits direkt auf ihr operieren.
Context & Mechanics
Definition
Die Equity-Kurve trägt den Kontowert über die Zeit ab – je nach Auflösung nach jedem Trade, täglich oder wöchentlich. Unterschieden wird zwischen Closed Equity (nur realisierte Gewinne/Verluste) und Open Equity (inklusive laufender Positionen); Prop-Firm-Limits rechnen üblicherweise mit der Open Equity, weshalb auch Buchverluste zählen.
Was die Kurve verrät
Drei Merkmale tragen die Information: Die Steigung zeigt die Ertragskraft – pro Trade entspricht sie der Expectancy. Die Schwankung um den Trend zeigt das Risiko; aus ihr speist sich die Volatilität der Renditen. Die Täler sind Drawdowns; das tiefste ist der Maximum Drawdown. Ergänzend macht die Underwater-Kurve (Abstand zum letzten Hoch über die Zeit) sichtbar, wie lange eine Strategie unter Wasser war – für die Belastbarkeit im Alltag oft aussagekräftiger als die reine Tiefe.
Equity-Kurve im Prop-Trading
Prop-Firm-Regelwerke sind Funktionen der Equity-Kurve: Das Daily Loss Limit begrenzt den Tagesabschnitt, das Overall Loss Limit die Gesamttiefe, ein Trailing Drawdown folgt ihrem Hoch. Wer seine eigene Kurve versteht, sieht sofort, welches Regelwerk zu ihr passt. Verbreitet ist auch Equity-Curve-Trading – die Strategie drosseln, wenn die Kurve unter ihren gleitenden Durchschnitt fällt; die Evidenz dafür ist gemischt, das Konzept aber ein nützliches Denkmodell für Regime-Abhängigkeit.
Bedeutung für Trader
Die Equity-Kurve ist das ehrlichste Feedback-Instrument: Sie aggregiert jede Entscheidung zu einem Bild. Im GlanWick-Simulator entsteht zu jedem Durchlauf automatisch eine Equity-Kurve samt Drawdown-Analyse, die sich gegen Challenge-Regelwerke prüfen lässt – GlanWick ist ein Trainings- und Simulationstool und selbst keine Prop-Firm.
Execution Beispiel
Ein Trader trägt nach 100 Trades auf einem 100.000-€-Konto den Kontostand je Trade ab: Endstand 137.500 €, zwischenzeitliches Hoch 112.000 €, danach Tal bei 103.600 €.
- Steigung: +37.500 € über 100 Trades ≈ 375 € pro Trade – die Expectancy der Strategie.
- Tal vermessen: Hoch 112.000 € → Tief 103.600 € = 7,5 % Maximum Drawdown.
- Underwater-Analyse: Die Kurve lag 18 Trades unter ihrem Hoch – die Durststrecke, die psychologisch durchgestanden werden musste.
- Regelwerk-Check: Mit 7,5 % Tiefe bliebe die Kurve unter einem 10-%-Overall-Loss-Limit; ein Trailing Drawdown von 5 % ab Hoch wäre dagegen gerissen worden – dasselbe Trading, anderes Regelwerk, anderes Ergebnis.
Execution Risk & Errors
Nur den Endstand betrachten und Form und Täler der Kurve ignorieren
Closed und Open Equity verwechseln, obwohl Prop-Firm-Limits meist auf der Open Equity rechnen
Die Dauer von Underwater-Phasen unterschätzen und Strategien in normalen Durststrecken verwerfen
Eine glatte Backtest-Kurve mit einer belastbaren Live-Kurve gleichsetzen
Die eigene Kurve nie gegen das konkrete Challenge-Regelwerk prüfen
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Closed und Open Equity?
Closed Equity zählt nur realisierte Ergebnisse, Open Equity auch laufende Buchgewinne und -verluste. Prop-Firm-Loss-Limits rechnen üblicherweise mit der Open Equity.
Was ist eine Underwater-Kurve?
Sie zeigt für jeden Zeitpunkt den Abstand der Equity zum bisherigen Hoch. So wird sichtbar, wie tief und wie lange eine Strategie im Drawdown war.
Woran erkenne ich eine gesunde Equity-Kurve?
An stetiger Steigung, moderaten Schwankungen und flachen, kurzen Tälern. Perfekte Glattheit ist allerdings verdächtig – sie deutet auf Overfitting oder versteckte Tail-Risiken hin.
Was ist Equity-Curve-Trading?
Die eigene Strategie drosseln oder pausieren, wenn die Equity-Kurve unter ihren gleitenden Durchschnitt fällt. Die Evidenz ist gemischt; als Risikobremse in Regime-Wechseln ist das Konzept dennoch verbreitet.