Sharpe Ratio

    Kategorie

    Quantitative & Statistische Methoden

    Unterkategorie

    Backtesting-Metriken

    Kuratiert von

    GlanWick Team

    Zuletzt geprüft

    · Methodik

    Die Sharpe Ratio misst die risikoadjustierte Rendite einer Strategie: Überrendite gegenüber dem risikofreien Zins geteilt durch die Volatilität der Renditen. Erzielt eine Strategie 12 % pro Jahr bei 2 % risikofreiem Zins und 8 % Volatilität, beträgt die Sharpe Ratio 1,25. Höhere Werte bedeuten mehr Rendite je Risikoeinheit; Werte über 1 gelten historisch als solide.

    Context & Mechanics

    Definition und Berechnung

    Die Sharpe Ratio – benannt nach Nobelpreisträger William F. Sharpe – setzt die Überrendite einer Strategie ins Verhältnis zu ihrem Risiko. Formel: (Rendite − risikofreier Zins) ÷ Standardabweichung der Renditen. Beispiel: 12 % Jahresrendite, 2 % risikofreier Zins, 8 % Volatilität → (12 − 2) ÷ 8 = 1,25. Die Kennzahl beantwortet die Frage: Wie viel Rendite liefert die Strategie pro Einheit Schwankungsrisiko?

    Interpretation

    Historisch übliche Einordnung: Werte unter 1 gelten als schwach risikoadjustiert, 1 bis 2 als solide, über 2 als sehr gut – und Werte deutlich über 3 in Backtests oft als Warnsignal für Überanpassung (Backtesting mit Overfitting). Wichtig ist der Vergleichsmaßstab: Eine Strategie mit 8 % Rendite bei 4 % Volatilität (Sharpe 1,5) ist risikoadjustiert besser als eine mit 20 % Rendite bei 18 % Volatilität (Sharpe 1,0), obwohl die zweite absolut mehr verdient.

    Grenzen der Kennzahl

    Die Sharpe Ratio behandelt Aufwärts- und Abwärtsschwankung gleich – ein starker Gewinnmonat erhöht die Volatilität genauso wie ein Verlustmonat. Strategien mit seltenen, großen Verlusten (Fat Tails) können deshalb täuschend gute Werte zeigen. Ergänzende Kennzahlen sind die Sortino Ratio (nur Abwärtsvolatilität), der Maximum Drawdown und der Profit Factor. Außerdem hängt der Wert stark vom Messintervall ab: Tages-, Wochen- und Monatsrenditen liefern unterschiedliche Ergebnisse.

    Bedeutung für Trader

    Für aktive Trader ist die Sharpe Ratio vor allem ein Vergleichs- und Fortschrittsmaß: Sie zeigt, ob mehr Rendite durch besseres Trading oder nur durch mehr Risiko entstanden ist. Im GlanWick-Simulator lässt sich die risikoadjustierte Entwicklung einer Strategie über die Equity-Kurve nachvollziehen, bevor echtes Kapital oder eine Challenge-Gebühr im Spiel ist – GlanWick ist ein Trainings- und Simulationstool und selbst keine Prop-Firm.

    Execution Beispiel

    Ein Trader vergleicht zwei Strategien auf einem 100.000-€-Konto: Strategie A erzielte 12 % Jahresrendite bei 8 % Volatilität, Strategie B 20 % bei 18 % Volatilität. Der risikofreie Zins liegt bei 2 %.

    1. Strategie A: (12 % − 2 %) ÷ 8 % = 1,25.
    2. Strategie B: (20 % − 2 %) ÷ 18 % = 1,0.
    3. Vergleich: A liefert mehr Rendite je Risikoeinheit, obwohl B absolut 8.000 € mehr verdient hätte (20.000 € vs. 12.000 €).
    4. Konsequenz: Wer B mit halbem Einsatz fährt, um As Volatilität zu erreichen, läge bei nur noch ≈10 % Rendite – A bleibt risikoadjustiert überlegen; für ein Prop-Firm-Konto mit engen Loss Limits ist das der relevantere Maßstab.

    Execution Risk & Errors

    1

    Nur die absolute Rendite vergleichen und das eingegangene Risiko ignorieren

    2

    Sehr hohe Backtest-Sharpe-Werte nicht als Overfitting-Warnsignal erkennen

    3

    Auf- und Abwärtsvolatilität gleichsetzen, obwohl nur Verluste schmerzen (Sortino als Ergänzung prüfen)

    4

    Sharpe Ratios aus unterschiedlichen Messintervallen direkt vergleichen

    5

    Die Kennzahl auf zu kleinen Stichproben berechnen

    Häufige Fragen

    Was ist eine gute Sharpe Ratio?

    Historisch gelten Werte über 1 als solide und über 2 als sehr gut. Werte deutlich über 3 in Backtests sind häufig ein Hinweis auf Überanpassung statt auf echte Qualität.

    Worin unterscheidet sich die Sortino Ratio von der Sharpe Ratio?

    Die Sortino Ratio berücksichtigt nur die Abwärtsvolatilität. Strategien mit vielen kleinen Gewinnen und seltenen großen Verlusten werden dadurch realistischer bewertet.

    Warum ist eine hohe Rendite allein nicht aussagekräftig?

    Weil sie mit beliebig viel Risiko erkauft sein kann. Die Sharpe Ratio normiert die Rendite auf das Schwankungsrisiko und macht Strategien dadurch vergleichbar.

    Kann ich die Sharpe Ratio meiner Strategie ohne echtes Geld ermitteln?

    Ja. Im GlanWick-Simulator entsteht aus jedem Durchlauf eine Equity-Kurve, aus der sich Rendite und Volatilität – und damit die Sharpe Ratio – ablesen lassen.

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