Orderbuch
Das Orderbuch ist die nach Preis sortierte Liste aller offenen Kauf- und Verkaufsorders eines Instruments. Es zeigt, zu welchen Kursen wie viel Volumen bereitsteht, und bestimmt damit Spread, Ausführungspreis und Slippage. Trader lesen daraus Buchtiefe und Ungleichgewichte – etwa ob auf der Kaufseite deutlich mehr Volumen liegt als auf der Verkaufsseite.
Context & Mechanics
Aufbau des Orderbuchs
Das Orderbuch sammelt alle ruhenden Limit-Orders eines Instruments, sortiert nach Preis: auf der einen Seite die Kaufseite (Bids), auf der anderen die Verkaufsseite (Asks). Das beste Kauflimit und das beste Verkaufslimit bilden zusammen den Bid-Ask-Spread. Level-1-Daten zeigen nur diese beiden Kurse; Level 2 bzw. der DOM (Depth of Market) zeigt zusätzlich mehrere Preisstufen samt quotiertem Volumen – die Buchtiefe.
Wie Orders das Buch bewegen
Limit-Orders fügen dem Buch Liquidität hinzu, Market Orders entnehmen sie: Sie werden gegen die besten Gegenseiten ausgeführt und konsumieren dabei Preisstufe für Preisstufe. Kurse bewegen sich also nicht, „weil mehr Käufer als Verkäufer da sind“ – jede Transaktion hat beide Seiten –, sondern weil aggressive Orders die verfügbare Liquidität einer Seite schneller aufbrauchen und Market Maker ihre Quotes anpassen.
Buchtiefe und Slippage
Wie teuer eine große Order wird, hängt an der Buchtiefe: Je weniger Volumen nahe am aktuellen Kurs liegt, desto mehr Stufen muss die Order durchlaufen – die Differenz zum erwarteten Kurs ist Slippage. Deshalb gehört der Blick in die Tiefe vor große Orders und in illiquide Randzeiten.
Grenzen der Interpretation
Das sichtbare Buch ist nicht die ganze Wahrheit: Iceberg-Orders zeigen nur Teilmengen, Hidden Liquidity und Dark Pools tauchen gar nicht auf, und Orders können jederzeit storniert werden. Futures und Aktien haben zentrale Orderbücher; der Spot-Forex-Markt ist dagegen fragmentiert – CFD-Trader sehen höchstens das Buch ihres Anbieters. Orderbuch-Imbalances sind daher Kontext, kein Signalautomat. Für Prop-Trader ist das Buch vor allem ein Werkzeug, um Ausführungskosten zu verstehen und Einstiege in liquide Zonen zu legen.
Execution Beispiel
Der DOM eines Index-Futures zeigt auf der Ask-Seite 40 Kontrakte zu 15.000,25, 35 zu 15.000,50 und 60 zu 15.000,75; auf der Bid-Seite 85 Kontrakte zu 15.000,00 und 50 zu 14.999,75. Ein Trader will 100 Kontrakte kaufen.
- Eine Market-Buy-Order über 100 Kontrakte konsumiert 40 Kontrakte zu 15.000,25, 35 zu 15.000,50 und 25 zu 15.000,75.
- Durchschnittskurs: 15.000,46 – 0,21 Punkte über dem besten Ask bei Orderaufgabe, allein durch das Durchlaufen des Buchs.
- Neues Bild: Bester Ask ist jetzt 15.000,75 mit 35 Restkontrakten – der Kurs ist „durch das Buch“ gestiegen, ohne dass neue Information vorlag.
- Imbalance-Check: 85 Kontrakte am besten Bid gegen 40 am besten Ask wirkt käuferlastig – sichtbare Größen können aber jederzeit storniert werden oder Icebergs verdecken: Kontext, kein Signal.
Execution Risk & Errors
Sichtbare Buchtiefe für die gesamte Liquidität halten – Iceberg-Orders und Hidden Liquidity fehlen
Orderbuch-Imbalances als verlässliche Richtungsprognose lesen
Level-1-Daten (nur Bid/Ask) mit echter Markttiefe verwechseln
Im Forex-CFD-Handel ein zentrales Orderbuch annehmen, obwohl der Markt fragmentiert ist
Große Orders ohne Blick auf die Buchtiefe platzieren
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Level 1 und Level 2?
Level 1 zeigt nur den besten Bid und Ask samt letztem Kurs. Level 2 (bzw. der DOM) zeigt mehrere Preisstufen beider Seiten mit dem jeweils quotierten Volumen – also die Buchtiefe, aus der sich Ausführungskosten abschätzen lassen.
Warum bewegt sich der Kurs, ohne dass gehandelt wird?
Bid und Ask sind Quotes, keine Trades. Wenn Marktteilnehmer ihre Limits zurückziehen oder verschieben, ändern sich die besten Kurse auch ohne Umsatz – sichtbar etwa bei News, wenn sich das Buch schlagartig ausdünnt.
Gibt es im Forex ein zentrales Orderbuch?
Nein. Der Spot-Devisenmarkt ist dezentral über Banken und ECNs organisiert. CFD- und Forex-Trader sehen höchstens das Buch ihres Anbieters oder einen ECN-Ausschnitt – nie den Gesamtmarkt.
Wie zuverlässig sind Orderbuch-Imbalances als Signal?
Nur als Kontext. Sichtbares Volumen kann storniert werden, Icebergs zeigen Teilmengen, Hidden Liquidity fehlt ganz. Ein Übergewicht auf einer Seite gibt keine Richtungsgarantie.