Market Maker
Kategorie
Broker, Plattformen & Infrastruktur
Unterkategorie
Broker-Typen
Kuratiert von
Zuletzt geprüft
· Methodik
Ein Market Maker ist ein Marktteilnehmer, der fortlaufend verbindliche Kauf- und Verkaufskurse stellt und so Liquidität bereitstellt. Er verdient primär am Bid-Ask-Spread, nicht an der Kursrichtung. Für Trader bedeutet das: engere Spreads und schnellere Ausführung in liquiden Märkten – aber auch mögliche Interessenkonflikte, wenn Broker Kundenorders intern gegen das eigene Buch ausführen (B-Book).
Context & Mechanics
Rolle im Marktgefüge
Ein Market Maker stellt fortlaufend verbindliche Geld- und Briefkurse (Bid und Ask) für ein Instrument und verpflichtet sich, zu diesen Kursen zu handeln. Damit übernimmt er die Gegenseite eingehender Orders und sorgt dafür, dass Käufer und Verkäufer nicht aufeinander warten müssen. Sein Geschäftsmodell basiert auf dem Bid-Ask-Spread: Er kauft am Geldkurs, verkauft am Briefkurs und vereinnahmt die Differenz – bei tausenden Transaktionen pro Tag.
Risikomanagement des Market Makers
Ein Market Maker will in der Regel keine Richtungswetten eingehen. Baut sich durch einseitigen Orderfluss eine Position auf (Inventar), sichert er sie ab oder passt seine Quotes an: Wer zu viele Stücke gekauft hat, senkt Bid und Ask, um weitere Verkäufe zu bremsen und Käufer anzuziehen. In volatilen Phasen weiten Market Maker ihre Spreads aus oder reduzieren die quotierte Größe – genau dann steigt die Slippage für alle, die mit einer Market Order handeln.
Börse vs. Broker-Modell
An Börsen konkurrieren registrierte Market Maker im Orderbuch und unterliegen Quotierungspflichten. Im CFD- und Forex-Bereich agieren viele Broker selbst als Market Maker: Kundenorders werden nicht an einen externen Markt weitergeleitet, sondern intern ausgeführt (B-Book). Das ist legal und in der Ausführung oft günstig, schafft aber einen strukturellen Interessenkonflikt, weil der Broker an Kundenverlusten verdienen kann. Regulierte Anbieter müssen diesen Konflikt offenlegen.
Bedeutung für Prop-Trader
Prop-Firm-Regeln wie Slippage-Klauseln oder Ausführungsbeschränkungen hängen direkt an der Market-Maker-Struktur der angebundenen Liquiditätsgeber. Wer versteht, wann Liquiditätsgeber Spreads ausweiten – News, Session-Wechsel, dünne Märkte –, kann Ausführungskosten realistisch einplanen. In der GlanWick-Simulation lässt sich beobachten, wie Spread und Buchtiefe die tatsächlichen Einstiegskurse verändern, ohne echtes Kapital einzusetzen.
Execution Beispiel
Ein Market Maker quotiert die Aktie X mit 50,00 € Geld (Bid) und 50,10 € Brief (Ask), jeweils für 1.000 Stück, und dreht im Tagesverlauf 200.000 Stück Umsatz bei ausgeglichenem Orderfluss.
- Spread-Ertrag: Bei 100.000 gekauften und 100.000 verkauften Stücken vereinnahmt der Market Maker 100.000 × 0,10 € = 10.000 € Brutto-Spread-Ertrag.
- Inventar-Risiko: Vor US-Daten um 14:30 kaufen Kunden einseitig 20.000 Stück – der Market Maker ist nun short im Inventar.
- Reaktion: Er hebt seine Quotes auf 50,06/50,16 an und reduziert die quotierte Größe auf 500 Stück, um Verkäufer anzuziehen und das Inventar aufzubauen.
- Effekt für Trader: Eine Market-Buy-Order wird jetzt zu 50,16 € statt 50,10 € ausgeführt – 0,06 € Slippage allein durch die Quote-Anpassung.
Execution Risk & Errors
Market Maker als „Gegner“ sehen, der gezielt einzelne Stop-Loss-Orders jagt – Quotes reagieren auf aggregierten Orderfluss, nicht auf einzelne Konten
Spread-Ausweitung bei News ignorieren und dort mit Market Orders handeln
B-Book-Broker mit Börsen-Market-Makern gleichsetzen, ohne den Interessenkonflikt zu prüfen
Enge Spreads aus ruhigen Phasen als konstant annehmen und Ausführungskosten zu niedrig kalkulieren
Große Orders in einem Stück aufgeben, wenn die quotierte Größe dünn ist
Häufige Fragen
Womit verdient ein Market Maker Geld?
Primär am Bid-Ask-Spread: Er kauft am Geldkurs und verkauft am Briefkurs. Dazu kommen je nach Markt Rückvergütungen der Börse für bereitgestellte Liquidität. Richtungswetten sind nicht das Geschäftsmodell – das Inventar wird möglichst neutral gehalten oder abgesichert.
Jagt ein Market Maker meine Stop-Loss-Orders?
Einzelne Retail-Orders sind für Quotierungsentscheidungen zu klein. Kursbewegungen in Zonen mit vielen Stops entstehen, weil dort für alle Marktteilnehmer sichtbare Liquidität liegt – aggregierter Orderfluss, nicht die Jagd auf ein einzelnes Konto.
Was bedeutet A-Book und B-Book?
Im A-Book leitet ein Broker Kundenorders an externe Liquiditätsgeber weiter und verdient an Kommission oder Aufschlag. Im B-Book übernimmt er selbst die Gegenseite und kann auch an Kundenverlusten verdienen – ein Interessenkonflikt, den regulierte Anbieter offenlegen müssen.
Warum sind Spreads bei News oder nachts breiter?
Bei News steigt das Inventarrisiko des Market Makers stark, nachts fehlt der Wettbewerb vieler Liquiditätsgeber. In beiden Fällen weiten Market Maker die Spanne aus oder reduzieren die quotierte Größe – die Ausführung wird teurer.