Chance-Risiko-Verhältnis (Risk-Reward Ratio)

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    Performance-Analyse & Journaling

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    GlanWick Team

    Zuletzt geprüft

    · Methodik

    Das Chance-Risiko-Verhältnis (CRV) setzt den möglichen Gewinn eines Trades ins Verhältnis zum riskierten Betrag: Zielabstand geteilt durch Stop-Abstand. Ein CRV von 3:1 bedeutet, dass der geplante Gewinn dreimal so groß ist wie der geplante Verlust (3R). Es ist nur die halbe Wahrheit: Erst zusammen mit der Trefferquote ergibt sich die Expectancy – ein hohes CRV bei zu niedriger Trefferquote verliert genauso wie das Umgekehrte.

    Context & Mechanics

    Definition und Berechnung

    Das CRV wird vor dem Trade aus drei Preisen berechnet: Entry, Stop und Ziel. CRV = (Ziel − Entry) ÷ (Entry − Stop) bei Longs. Ein Trade mit Entry 100 €, Stop 98 € und Ziel 106 € hat ein CRV von 6 ÷ 2 = 3:1 – er verspricht 3R. Wichtig: Das CRV beschreibt den Plan, nicht das Ergebnis – reale Trades enden durch Teilverkäufe, Trailing oder Slippage selten exakt am geplanten Punkt. Für die Strategie-Auswertung zählen die realisierten R-Multiples.

    CRV und Trefferquote gehören zusammen

    Das CRV allein sagt nichts über Profitabilität: Entscheidend ist die Kombination mit der Trefferquote – die Expectancy. Die Break-Even-Formel lautet: erforderliche Trefferquote = 1 ÷ (1 + CRV). Bei 1:1 braucht es über 50 %, bei 2:1 über 33 %, bei 3:1 über 25 % – jeweils plus Kosten. Daraus folgt der strukturelle Vorteil höherer CRVs: Sie verzeihen niedrige Trefferquoten und Schätzfehler. Aber es gibt keinen Free Lunch – weiter entfernte Ziele werden seltener erreicht; wer das CRV künstlich hochzieht (engerer Stop, fernes Ziel), senkt meist die Trefferquote im Gegenzug.

    Typische Verzerrungen

    Drei Fehler ruinieren die CRV-Rechnung in der Praxis: Wunschziele statt Marktstruktur (das Ziel liegt hinter dem nächsten Widerstand, nur damit 3R herauskommen), unrealistisch enge Stops (die im Rauschen ausgelöst werden, bevor die Idee arbeiten kann) und das nachträgliche Verschieben von Stop oder Ziel im laufenden Trade. Robuster Prozess: Stop an die Invalidierung, Ziel an die nächste relevante Struktur – und wenn das CRV dann unter ~2:1 liegt, den Trade auslassen statt die Zahlen zu verbiegen.

    Bedeutung für Trader

    Das CRV ist der Filter, der schwache Setups vor dem Einstieg aussortiert, und die Brücke zwischen einzelnem Trade und Strategie-Statistik. Im GlanWick-Simulator lassen sich CRV-Szenarien mit verschiedenen Trefferquoten beispielhaft und ohne echtes Kapital durchrechnen – GlanWick ist ein Trainings- und Simulationstool und selbst keine Prop-Firm.

    Execution Beispiel

    Zwei Trader bewerten dasselbe Long-Setup: Entry 30,00 €, Stop 29,00 € (1,00 € Risiko). Trader A setzt das Ziel an den nächsten Widerstand bei 32,50 €; Trader B will „mindestens 5R“ und setzt das Ziel bei 35,00 € – hinter zwei Widerstandszonen.

    1. Trader A: CRV = 2,50 ÷ 1,00 = 2,5:1. Break-Even-Trefferquote: 1 ÷ 3,5 ≈ 29 %. Historisch erreicht das Setup das erste Ziel in ≈45 % der Fälle → Expectancy: 0,45 × 2,5 − 0,55 × 1 = +0,575R pro Trade.
    2. Trader B: CRV = 5 ÷ 1 = 5:1, Break-Even-Quote ≈17 %. Aber das Ziel hinter zwei Widerständen wird historisch nur in ≈12 % erreicht → Expectancy: 0,12 × 5 − 0,88 × 1 = −0,28R – ein Verlustsystem trotz beeindruckendem CRV.
    3. Lehre: Nicht das höhere CRV gewinnt, sondern die bessere Kombination aus CRV und realistischer Trefferquote.
    4. Praxis-Check: Vor jedem Trade beide Größen schätzen – liegt die erwartete Trefferquote unter der Break-Even-Quote des geplanten CRV, ist der Trade eine Wette gegen die eigene Statistik.

    Execution Risk & Errors

    1

    Das CRV isoliert optimieren, ohne die sinkende Trefferquote ferner Ziele einzurechnen

    2

    Ziele hinter offensichtliche Widerstände legen, nur um ein hübsches CRV auszuweisen

    3

    Stops unrealistisch eng setzen, damit das Verhältnis auf dem Papier stimmt

    4

    Geplantes und realisiertes CRV verwechseln und die Statistik mit Planwerten führen

    5

    Trades mit CRV unter ~2:1 eingehen, weil das Setup „sich sicher anfühlt“

    Häufige Fragen

    Welches Chance-Risiko-Verhältnis sollte ich anstreben?

    Verbreitet ist ein Minimum von 2:1 für Swing-Setups – als Faustregel, nicht als Naturgesetz. Entscheidend ist die eigene Statistik: Das CRV muss zur realen Trefferquote der Strategie passen, sodass die Expectancy positiv ist.

    Wie hängen CRV und Trefferquote zusammen?

    Über die Break-Even-Formel: erforderliche Trefferquote = 1 ÷ (1 + CRV). Bei 2:1 genügen 33,3 %, bei 3:1 25 % – plus Kosten. Höhere CRVs senken die Hürde, werden aber seltener erreicht: Beide Größen bewegen sich gegenläufig.

    Ist ein Trade mit CRV 1:1 immer schlecht?

    Nein – bei sehr hoher Trefferquote (z. B. Mean-Reversion-Systeme mit ≥60 %) kann 1:1 profitabel sein. Er lässt nur wenig Sicherheitsmarge: Schon kleine Verschlechterungen der Quote oder höhere Kosten kippen die Expectancy ins Minus.

    Was ist der Unterschied zwischen CRV und R-Multiple?

    Das CRV ist das geplante Verhältnis vor dem Trade; das R-Multiple das realisierte Ergebnis danach (z. B. +1,7R nach Trailing-Exit). Die Strategie-Statistik baut auf realisierten R-Multiples auf, nicht auf Planwerten.

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