ATR-Stop

    Kategorie

    Risiko- & Money-Management

    Unterkategorie

    Stop-Loss-Methodik

    Kuratiert von

    GlanWick

    Zuletzt geprüft

    · Methodik

    Ein ATR-Stop ist ein Stop-Loss, dessen Abstand aus der Average True Range (ATR) abgeleitet wird – meist als Vielfaches wie 2×ATR. Bei einer Aktie zu 50 € und einer ATR(14) von 1,50 € liegt ein 2×ATR-Stop bei 47 €. Der Stop passt sich damit der Marktvolatilität an: weiter entfernt in unruhigen Phasen, enger in ruhigen – statt willkürlich gesetzt zu werden.

    Context & Mechanics

    Definition und Berechnung

    Ein ATR-Stop koppelt den Stop-Loss an die Marktvolatilität. Grundlage ist die Average True Range (ATR) von J. Welles Wilder: der gleitende Durchschnitt der True Range – also der tatsächlichen Handelsspanne inklusive Gaps – über typischerweise 14 Perioden. Der Stop wird als Vielfaches gesetzt: Einstieg 50 €, ATR(14) = 1,50 €, Faktor 2 → Stop bei 50 − 3 = 47 €. Übliche Faktoren liegen zwischen 1,5 (eng, für kurzfristige Setups) und 3 (weit, für Swing-Positionen).

    Warum volatilitätsbasierte Stops?

    Fixe Stops („immer 2 %“) ignorieren den Marktzustand: In ruhigen Phasen sind sie unnötig weit, in volatilen werden sie vom normalen Marktrauschen ausgestoppt, ohne dass die Trade-Idee widerlegt wäre. Der ATR-Stop löst das strukturell – er gibt dem Trade so viel Raum, wie der Markt aktuell schwankt. Wichtig ist die Kopplung ans Position Sizing: Der Stop-Abstand bestimmt die Stückzahl, nicht umgekehrt. Bei 1.000 € Risiko und 3 € Stop-Abstand ergeben sich 333 Stück; verdoppelt sich die ATR, halbiert sich die Position – das Euro-Risiko bleibt konstant.

    Varianten

    Neben dem festen Initial-Stop wird die ATR häufig für nachgezogene Stops genutzt (Trailing-Stop im ATR-Abstand, bekannt als Chandelier Exit). Auch Break-Even-Stops lassen sich ATR-basiert timen, etwa Nachziehen auf Einstand nach +1×ATR Kursfortschritt.

    Bedeutung für Trader

    ATR-Stops ersetzen Bauchgefühl durch eine reproduzierbare Regel und stabilisieren so die Verlustseite des Journals – der Ø-Verlust bleibt nahe 1R. In Prop-Firm-Regelwerken mit Daily Loss Limit ist diese Konstanz besonders wertvoll. Im GlanWick-Simulator lassen sich ATR-Faktoren beispielhaft gegen historische Daten testen – GlanWick ist ein Trainings- und Simulationstool und selbst keine Prop-Firm.

    Execution Beispiel

    Ein Trader kauft eine Aktie zu 50 € auf einem 100.000-€-Konto mit 1.000 € Risiko pro Trade (1R). Die ATR(14) beträgt aktuell 1,50 €; als Stop-Faktor sind 2×ATR definiert.

    1. Stop-Abstand: 2 × 1,50 € = 3 € → Stop bei 47 €.
    2. Position Sizing: 1.000 € Risiko ÷ 3 € = 333 Stück (≈16.650 € Positionswert).
    3. Volatilitätsschub: Steigt die ATR auf 3 €, beträgt der Stop-Abstand 6 € → nur noch 166 Stück – das Risiko bleibt exakt 1.000 €.
    4. Vergleich: Ein fixer 1,50-€-Stop wäre in der volatilen Phase mit hoher Wahrscheinlichkeit vom Marktrauschen ausgelöst worden, obwohl die Trade-Idee intakt war.

    Execution Risk & Errors

    1

    Den ATR-Stop setzen, aber die Positionsgröße nicht an den Stop-Abstand anpassen

    2

    In volatilen Phasen die Stückzahl beibehalten und so das Euro-Risiko vervielfachen

    3

    Zu enge Faktoren (unter 1,5) wählen und vom normalen Rauschen ausgestoppt werden

    4

    Die ATR-Periode ständig wechseln, bis der Backtest passt

    5

    ATR-Stops in illiquiden Märkten ohne Blick auf Slippage und Gaps verwenden

    Häufige Fragen

    Welcher ATR-Faktor ist üblich?

    Historisch verbreitet sind 1,5 bis 3: enger für kurzfristige Setups, weiter für Swing-Positionen. Der Faktor sollte zum Setup passen und konsistent bleiben, statt pro Trade neu gewählt zu werden.

    Was unterscheidet den ATR-Stop von einem Prozent-Stop?

    Ein Prozent-Stop ist in jeder Marktphase gleich weit entfernt. Der ATR-Stop skaliert mit der aktuellen Schwankungsbreite und gibt dem Trade genau so viel Raum, wie der Markt gerade braucht.

    Wie hängt der ATR-Stop mit der Positionsgröße zusammen?

    Der Stop-Abstand bestimmt die Stückzahl: Risiko pro Trade ÷ Stop-Abstand = Position. Weitet sich die ATR, wird die Position kleiner – das Geldrisiko bleibt konstant.

    Funktioniert der ATR-Stop auch als Trailing-Stop?

    Ja, als sogenannter Chandelier Exit: Der Stop folgt dem höchsten Kurs seit Einstieg im festen ATR-Abstand und zieht nur nach, nie zurück.