Stop-Loss
Ein Stop-Loss ist eine Order, die eine Position automatisch schließt, wenn der Kurs ein festgelegtes Niveau erreicht – die technische Umsetzung der Verlustbegrenzung. Er definiert das Risiko eines Trades im Voraus (1R) und ist die Grundlage jeder Positionsgrößenberechnung. Klassische Stop-Orders werden bei Auslösung zu Marktorders und können in schnellen Märkten mit Slippage ausgeführt werden.
Context & Mechanics
Definition und Mechanik
Der Stop-Loss beantwortet die wichtigste Frage jedes Trades im Voraus: „Wo ist meine Idee widerlegt – und was kostet mich das?“ Technisch ist er eine ruhende Order, die beim Erreichen des Stop-Preises aktiviert wird: Der klassische Stop wird zur Marktorder (garantierte Ausführung, aber mögliche Slippage), der Stop-Limit zur Limit-Order (Preiskontrolle, aber möglicherweise keine Ausführung bei Lücken). Bei Longs liegt der Stop unter dem Einstieg, bei Shorts darüber – dort ist er wegen des unbegrenzten Risikos nach oben nicht verhandelbar.
Stop-Platzierung
Ein Stop gehört dorthin, wo das Setup objektiv ungültig ist – nicht dorthin, wo der Verlust „sich richtig anfühlt“: unter das letzte Swing-Tief, unter eine Unterstützungszone oder in ATR-Abständen zur Berücksichtigung der normalen Schwankungsbreite (ATR-Stop). Zu enge Stops im Marktrauschen produzieren Serien kleiner Verluste trotz richtiger Idee; zu weite Stops zerstören das Chance-Risiko-Verhältnis. Aus Stop-Abstand und Kontorisiko ergibt sich die Positionsgröße – nie umgekehrt.
Varianten und Disziplin
Der Trailing Stop zieht mit dem Kurs nach und sichert Gewinne in Trends; der Break-Even-Stop wird nach definiertem Fortschritt auf den Einstieg nachgezogen. Mentale Stops (nur im Kopf) scheitern in der Praxis regelmäßig an der Psychologie: In der Verlustsituation greift Loss Aversion, und aus „ich steige gleich aus“ wird Aussitzen. Der härteste Disziplinfehler ist das Verschieben des Stops weg vom Kurs – er verwandelt ein geplantes 1R-Risiko in einen unkontrollierten Drawdown.
Bedeutung für Trader
Ohne Stop-Loss gibt es kein definiertes R, keine Positionsgrößenformel und keine auswertbare Statistik – er ist das Fundament des Risikomanagements, bei Prop-Firm-Konten zusätzlich der Schutz vor Daily-Loss-Limit-Verstößen. Im GlanWick-Simulator lassen sich Stop-Strategien beispielhaft und ohne echtes Kapital testen – GlanWick ist ein Trainings- und Simulationstool und selbst keine Prop-Firm.
Execution Beispiel
Ein Trader (100.000-€-Konto, 1 % Risiko = 1.000 € = 1R) kauft eine Aktie bei 62,00 € nach einem Ausbruch. Das letzte Swing-Tief liegt bei 60,00 €, die ATR(14) beträgt 1,50 €.
- Stop-Platzierung: Unter dem Swing-Tief mit ATR-Puffer: 60,00 − 0,5 × 1,50 = 59,25 € → Stop-Abstand 2,75 € je Aktie.
- Positionsgröße: 1.000 € ÷ 2,75 € = 363 Aktien (abgerundet) → Positionswert ≈22.500 €.
- Verlauf: Die Aktie steigt auf 66 €. Der Trader zieht den Stop auf den Einstieg (Break-Even) nach – das Restrisiko des Trades ist damit null, die Position läuft weiter.
- Exit: Ein Rücksetzer löst den nachgezogenen Trailing Stop bei 64,80 € aus → Gewinn 2,80 € × 363 ≈ +1.016 € ≈ +1R. Ohne Stop-Disziplin hätte derselbe Rücksetzer den Gewinn wieder abgegeben.
Execution Risk & Errors
Den Stop nach Einstieg weiter vom Kurs weg verschieben und das geplante Risiko vervielfachen
Stops mitten ins Marktrauschen legen, wo normale Schwankungen sie serienweise auslösen
Mentale Stops verwenden, die in der Verlustsituation psychologisch nicht gehalten werden
Runde Zahlen und offensichtliche Levels wählen, an denen viele Stops gleichzeitig liegen
Nach Stop-Auslösung sofort ohne neues Setup wieder einsteigen (Revenge Trading)
Häufige Fragen
Wo setze ich meinen Stop-Loss?
Dorthin, wo das Setup objektiv ungültig ist: unter das letzte Swing-Tief, unter die relevante Unterstützungszone oder in ATR-Abständen. Aus dem Stop-Abstand und dem Kontorisiko folgt dann die Positionsgröße – nicht umgekehrt.
Kann ein Stop-Loss zu einem schlechteren Kurs ausgeführt werden?
Ja: Der klassische Stop wird bei Auslösung zur Marktorder – bei Gaps oder dünner Liquidität entsteht Slippage. Ein Stop-Limit kontrolliert den Preis, riskiert dafür aber, bei schnellen Bewegungen gar nicht ausgeführt zu werden.
Sind mentale Stops eine Alternative?
Für die meisten Trader nicht: In der Verlustsituation greift Loss Aversion, und der geplante Ausstieg wird aufgeschoben. Echte Orders im Markt erzwingen die Disziplin, die mentale Stops nur versprechen.
Was ist der Unterschied zwischen Stop-Loss und Trailing Stop?
Der Stop-Loss liegt fest auf dem Invalidierungsniveau; der Trailing Stop zieht in definiertem Abstand mit dem Kurs nach und sichert in Trends aufgelaufene Gewinne – um den Preis, bei normalen Rücksetzern früher auszusteigen.